Asyl Spas

Sie wollen überleben und tun alles dafür.
Sie verkriechen sich in Hausritzen,
laufen um ihr Leben.

Es wird auf sie geschossen,
Giftköder werden ausgelegt
für den manchmal unerträglichen Hunger.

Sie werden mit Schlingen um den Hals gefangen,
mit Steinen beworfen.
Sie zittern vor Angst.

Darum kann Tierschutz nicht vor Grenzen enden,
weder in unseren Köpfen noch vor Landesgrenzen.
Denn Mitgefühl und Verantwortung sind in uns allen.

 

Das Asyl Spas (auf Deutsch „Rettung") in Varazdin liegt im Norden Kroatiens, etwa 15 Kilometer von Slowenien und rund eine Autostunde von der österreichischen Grenze entfernt. Spas ist mittlerweile das größte Asyl in Kroatien. 350 bis 400 Hunde leben hier und ihnen allen wurde durch die Aufnahme ihr Leben gerettet. Jeder dieser Hunde hat seine ganz eigene und zu oft sehr traurige Biografie mitgebracht.


Das Asyl Spas ist das dritte Tierasyl in Kroatien, das sowohl vom Staat als auch von der Europäischen Union rechtlich anerkannt wurde. Bis dahin war es ein langer, schwerer Weg für die kroatischen Tierschützer, die sich seit dem Jahr 2000 für ausgesetzte, misshandelte Straßentiere, vorwiegend Hunde und Katzen, immer wieder starkmachen und sich nicht beirren lassen. Sie sind stolz darauf, dass in ihrem Asyl keine Tiere getötet werden, die gesund sind - eine Selbstverständlichkeit für uns, in südlichen Ländern leider eine Seltenheit. 90 Prozent aller Tiere im Asyl sind kastriert, um eine weitere Vermehrung zu vermeiden und die Konflikte in den Hundegruppen zu verringern.


Die Tierschützer von Spas arbeiten eng mit anderen Organisationen im Land zusammen. Es werden Tiere aus Tötungsstationen gerettet und nicht mehr gewollte, alte und verletzte Tiere im Asyl aufgenommen. Mit den Medien wie Fernsehen, Radio und Presse wird immer wieder zusammengearbeitet. Und die Tierschützer führen Kontrollen durch, wenn aus der Bevölkerung Hinweise auf ein Misshandeln von Tieren kommen.

Es ist so viel zu tun und jeder Tag muss bewältigt werden. Die Tiere müssen gereinigt, gefüttert, medizinisch versorgt und bei Krankheit und Verletzungen gepflegt werden. Wenn Hunde voller Angst und Schmerzen in ihrer Seele im Asyl ankommen, wird mit viel Liebe, Erfahrung und Einfühlungsvermögen versucht, sie wieder zu stabilisieren. All das muss geleistet werden von nur fünf Menschen, die im Asyl fest arbeiten. Mehr ist leider nicht finanzierbar.

Das Asyl rettet sich von einem Tag zum anderen und kämpft dabei ständig um sein Überleben, immer wieder. Die finanzielle Lage ist stets angespannt und nie gesichert. Die Stadt Varazdin trägt lediglich die Kosten für das Personal. Zusätzlich gibt es für jeden Hund im Asyl pro Jahr genau 30 Euro für Futter, Unterbringung und Tierarztkosten. Ein Betrag, mit dem kein Tierheim dieser Größe auskommen kann.

Im Jahr 2010 schrieb Jasnica Mackovic, die damalige 1. Vorsitzende von Aktiv für Hunde in Not e.V.:


Öffnet sich das große, grüne Tor und betritt man das Asyl, wird man herzlich und voller Freude und Aufregung empfangen - von den Tierschützern, vor allem aber von der Begrüßungsgruppe der Willkommenshunde". Jetzt ist man mittendrin: Hunde, Hunde und nochmals Hunde, alle wuseln sie umher, möchten gestreichelt und beachtet werden. Große, aufgeregte, freudige, liebevolle Augen schauen einen an und sagen doch alle das gleiche: Ich will wieder zu euch Menschen gehören - geliebt, respektiert und behütet. Freude und Liebe schenken und mein Herz und meine Seele wieder für euch Menschen öffnen dürfen!"
Es wird einem schwer ums Herz. All diese Hoffnung, diese Bitten um Liebe und Zuneigung sind überwältigend. So gerne würde man sie alle an sein Herz drücken und ihr Leben mit dem füllen, wonach sie sich so sehr sehnen, nach Liebe, Sicherheit und Geborgenheit. Ein Leben, das jeder von ihnen verdient hätte, denn sie sind unsere besten Freunde und sie lieben uns Menschen! Manchmal sogar zu sehr. Sie trauern ihrer Vergangenheit nach, auch wenn es keine gute war. Das nennen wir Menschen „Treue" und davon zeigen die Hundeseelen hier sehr viel.
Jedes Mal, wenn ich das Asyl Spas betrete, ist mein Herz in Aufruhr: voller Liebe, Vertrauen und Hochachtung diesen wunderbaren Geschöpfen gegenüber, die uns Menschen immer noch und immer wieder so viel Liebe entgegenbringen, Liebe mit Freude, Temperament, Offenheit, Freundschaft, manchmal auch mit Verletztheit, Schüchternheit, Angst, aber immer mit großer Bereitschaft und Zuversicht. Sie möchten uns Menschen wieder eine Chance geben und ihr Herz für uns zu öffnen.

Was sich in den Jahren danach entwickelte und was unverändert blieb, schildert Jasnica Mackovic von der Lesika Hundehilfe Varazdin e.V. im März 2015:


Auch heute, fünf Jahre später, gehe ich jedes Mal zugleich voller Aufregung, Freude, Trauer und Dankbarkeit durch das grüne Tor hinein zu den so vielen Hunden in ihren Gruppen und Gehegen. Ich bin dankbar für all das, was in den vergangenen Jahren geschaffen worden ist für unsere besten Freunde, die Hunde, die in großer Not, oft sogar in Lebensgefahr waren, bevor sie im Asyl Spas ankamen: zum Beispiel zusätzliche, bessere Gehege, ein ruhiges Haus für alte Hunde, eigene Bereiche für Hundemütter mit Welpen, ein neuer Eingangsbereich mit Lager und neue Abwasserrohre.
Dafür danke ich aus der Tiefe meines Herzen jedem einzelnen Unterstützer, ohne die das alles niemals möglich geworden wäre, und vor allem meinen persönlichen Helden, den Tierschützern vor Ort: Goga, Präsidentin des Asyl Spas, und ihrem unermüdlichen, wundervollen  Team, die um jedes Tierleben kämpfen. Das Asyl Spas ist mittlerweile das größte Hundeasyl in Kroatien geworden. Leider wurde die Not im Asyl dadurch nicht kleiner: Durch viele Tierschutzaktionen, die Medienarbeit mit Fernsehen, Radio und Presse, durch öffentliche Kastrationsaktionen und Besuche von Schulen und Kindergärten stieg der Bekanntheitsgrad des Asyls stark an. Doch als Folge davon wurden den Tierschützern mehr schwer verletzte Hunde als jemals zuvor gebracht.

Darum engagiere ich mich sehr gerne bei der Lesika Hundehilfe. Ich wünsche dem Team von Herzen viel Erfolg, denn das Asyl Spas braucht jede zusätzliche Hilfe und Unterstützung im täglichen Überlebenskampf um in Not geratene vierbeinige Freunde. Die wundervollen Augen dieser Hunde erzählen so viel. Wenn wir sie wirklich anschauen, hören wir ihre Seelen sprechen.